Indonesien – Her mit der Pina Colada

Das Mädel neben uns schnallt sich ihre Armbänder an, die einen geringen Druck auf die Innenseite des Handgelenkes ausüben, um ihrer Seekrankheit vorzubeugen. Just in Case. Wir rechnen im Speedboat mit einer relativ ruhigen Überfahrt, daher bleiben die Tabletten im Rucksack. Wie sich wenig später herausstellt, liegen wir mit unserer Vermutung völlig falsch. Auf offener See erfasst eine seitliche Welle nach der anderen das Boot und schleudert es mit voller Wucht und ganz plötzlich nach links und rechts auf- und abwärts. Die Kabine neigt sich gefühlte 45Grad zur einen Seite. Dann wieder schlagartig zurück. Wir erfahren Beschleunigungen, die an eine abenteuerliche Fahrt in der Olympiabahn zuletzt auf dem Oktoberfest erinnern. Den Gesichtern an Board entweicht jegliche Farbe. Uns auch. Die Crew scheint etwas nervös zu wirken. Wir sind uns nicht genau sicher, ob in diesem Moment alles nach Plan läuft. Wir warten auf Durchsage des Captain. Vergebens.

Im Bruchteil einer Sekunde stolpern reihenweise komplett durchnässte Passagiere vom Außendeck ins Innere und suchen auf ihren Sitzplätzen Zuflucht. Die seitlichen Fenster sind geschlossen, da sonst Scharen an Wasser das Boot fluten würden. Die Hitze und der aufdringliche Geruch von Benzin sorgen zusätzlich für ein noch mulmigeres Gefühl in der Magengegend. Sofort gehen uns die Bilder von einem sinkenden Boot auf offener See durch den Kopf. Über indonesischen Wasserverkehr haben wir die denkbar schaurigsten Geschichten gehört und gelesen. Nicht die besten Voraussetzungen, um jetzt nicht in Panik zu geraten.


Land in Sicht

Neunzig Minuten später hat der Schrecken zum Glück ein Ende. Großes Aufatmen, als wir das Land auf Gili Trawangan oder kurz Gili T. betreten. Mitten im Trubel versuchen wir ein Boot auf die kleinere Nachbarinsel Gili Meno – unser eigentliches Ziel – zu organisieren. Sie liegt in Sichtweite und ist innerhalb weniger Minuten zu erreichen. Die Preise für die kurze Überfahrt, die hier genannt werden, liegen im Unermesslichen. Wir ärgern uns über diese Halsabschneider. Zusammen mit einem Pärchen und zwei allein reisenden Mädels gelingt es uns durch hartnäckige Verhandlungen ein weitaus besseres Angebot herauszuschlagen. Die Gegenleistung dafür ist, dass wir an den gegenüberliegenden Strand gebracht werden. Samt Gepäck hüpfen wir aus dem kleinen Boot ins kristallklare Wasser. Wie auf Knopfdruck schaltet unser Gehirn auf Urlaubsmodus um. Der Gegensatz zur vorangegangen Gili T. könnte nicht größer sein. Niemand, der uns das Gepäck entreißen möchte, um im gleichen Moment die Hand für ein erzwungenes Trinkgeld aufzuhalten. Kein Trubel. Nur ein menschenleerer Strand. Fast schon paradiesisch.

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Mit einem Durchmesser von etwa 2 km ist die Gili Meno die kleinste der drei Gilis. Motorisierte Fahrzeuge gibt es hier nicht, ausgenommen elektrisch angetriebene Zweiräder. Auf den staubigen Wegen begegnen uns höchstens Fahrräder und gelegentlich kleine Kutschen, die von viel zu schmächtigen Kleinpferden gezogen werden. Sie wirken erschöpft. Wir müssen keine Sekunde überlegen, ob wir hier aufspringen. Daher gehen wir zu Fuß.

Unterwegs treffen wir ausschließlich auf Einheimische, die neugierig nach unserer Unterkunft fragen, um uns – einer nach dem anderen – freundlich den Weg aufzuzeigen. Geschafft!

Wir sind entzückt von unserem ausgesprochen hübschen Bungalow. Zentral gelegen. Für umgerechnet 10€. Frühstück inklusive. Das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Jackpot!

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Aufgewacht im Paradies

Guten Morgen, Meno! Es ist 05:00 Uhr und wir sind glockenwach. An die frühen Gebetsgesänge aus den Lautsprechern müssen wir uns wohl oder übel noch gewöhnen. Zum Glück befindet sich die Moschee in sicherer Entfernung, daher nehmen wir die Sprechchöre weniger störend wahr. Trotzdem reicht die Lautstärke, um uns sanft aus dem Schlaf zu reißen. Nach etwa zehn Minuten verstummen die Lautsprecher wieder. Ruhe kehrt ein. Statt direkt wieder einzuschlafen, ziehen wir das Moskitonetz zur Seite, nehmen Platz auf unserer kleinen Terrasse und schauen zu, wie der Himmel sich in sanfte Pastelltöne färbt, bevor wenig später die Sonnenstrahlen durch die Palmenblätter und Bananenstauden im vorgelagerten Garten blinzeln. Nach der turbulenten Anreise ist das Gefühl an einem Ort wie diesem aufzuwachen, schlichtweg überwältigend.

Die Strände menschenleer, der Sand zwar nicht so weich aber so weiß wie Puderzucker und das Wasser in einem herrlichen Türkis. Gili Meno – für uns der perfekte Ort, um die Seele für ein paar Tage baumeln zu lassen, die Unterwasserwelt zu erkunden, dabei auf eine Meeresschildkröte (oder zwei oder drei) zu treffen und darüber nachzudenken, wie unsere nächsten Wochen in Indonesien aussehen könnten.

In diesem Moment beschäftigt Daniel allerdings nur eine Sache: Wo bekommen wir jetzt so früh eine Pina Colada her?

Und wir lachten.

Dann stimmte ich an.

„ . . . . I never knew,
that you liked Pina Coladas, and getting caught in the rain
And the feel of the ocean, and the taste of champagne
If you like making love at midnight, in the dunes of the cape
You´re the love that I´ve looked for, come with me, and escape“

Songwriter: Rupert Holmes, Escape (The Pina Colada Song)

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. desolat sagt:

    Das sieht ja mal nach einem… „anderen“ Frühstück aus! Ist das Fisch auf dem Teller? Könnte ich als Frühstück auch durchaus ab und zu mit leben!

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    1. herzsafari sagt:

      Das nennt sich Gado Gado, ein Klassiker der indonesischen Küche. Es handelt sich um Gemüse mit Tofu, Tempeh, Reis und als “Dressing” Erdnusssoße. Eines meiner Lieblingsgerichte! Liebe Grüße, Conny

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  2. Heike Zieschang sagt:

    Es sind wirklich schöne Berichte von eurer Reise und es macht Spaß eurem Blog zu folgen. Macht weiter so ich wünsche euch noch ganz viele schöne Erlebnisse auf eurer, so tollen, Reise.

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