Neuseeland – Roadtrip Südinsel

Gerade kommen wir aus der eiskalten Dusche. Unsere klirrenden Körper stehen sich nackt gegenüber, bevor wir uns den weiten Fleece-Pulli aus dem Second-Hand-Laden überstreifen. Auf dem Weg zurück zum Auto laufen wir durch das noch vom Morgentau bedeckte, feuchte Gras. Um uns herum ragen die begrünten Hügel empor, über deren Spitzen die Strahlen der aufgehenden Sonne blinzeln und das Meerwasser in einem satten Türkis leuchten lassen. Wir befinden uns als Einzige an diesem abgelegenen Campspot an einer der vielen schönen Buchten inmitten der Marlborough Sounds und schreiben den 30. April 2018. Genau so haben wir uns einen Roadtrip durch Neuseeland vorgestellt. Das Klima im neuseeländischen Spätsommer ist deutlich angenehmer als erwartet. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, kann es sogar ziemlich heiß werden. Und nein, es regnet nicht den ganzen Tag, wie befürchtet. Nach den tropischen Klimazonen in Südostasien ist es sogar mal ganz angenehm, kühle und frische Bergluft zu schnuppern.

Wir lernen, uns in unserem rollenden Zuhause auf 4 Rädern gut zu organisieren. Das einfache Vanlife, was zu Beginn noch etwas ungewöhnlich war, z.B. die eingeschränkten Platzverhältnisse oder das Kochen auf dem Gasgrill mit nur einer Platte, hat sich mittlerweile längst zu einer eingespielten Routine entwickelt. Beinahe jeden Morgen wachen wir an einem anderen Ort auf. Mal mitten in einem Nationalpark, mal direkt am Wasser mit Meeresrauschen im Ohr. Ein Gefühl von absoluter Freiheit. An manchen Tagen haben wir unsere Route kurzerhand sogar komplett umgestrickt, um mit der Sonne zu reisen. Damit sind wir den wenigen Regentagen – im wahrsten Sinne des Wortes – aus dem Weg gegangen. Flexibel eben! Das Einzige, woran wir uns wahrscheinlich nie gewöhnen können, ist die Sache mit den öffentlichen Toiletten und Duschen. Je weniger Erwartungen man hat, umso besser. Das lassen wir jetzt mal so stehen.

Hinter uns liegen etwa 6000km auf Neuseelands Straßen, jede Menge Abenteuer und unvergessliche Momente. Es fällt uns wirklich schwer dieses Land zu beschreiben, ohne uns ständig mit den Worten – beeindruckend, unglaublich schön, und einzigartig – zu wiederholen. Wir versuchen es trotzdem. Spulen wir die Zeit sechs Wochen zurück und beginnen von vorn. In Christchurch, wo wir unseren Roadtrip gestartet haben.

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Absolute Reizüberflutung zum Quadrat

Bereits die Fahrt zum Lake Tekapo erstreckt sich durch spektakuläres Terrain. Als wir uns von der Küstenregion um Christchurch ins Landesinnere bewegen, verändert sich das Panorama schlagartig. Die Straße verläuft durch eine beeindruckende Landschaft von unglaublicher Weite, umgeben von den Ausläufern der südlichen Alpen. Beim Erreichen des Burkes Pass nimmt die Strecke deutlich an Steigung zu. Der Lake Tekapo begrüßt uns unter einer dicken Wolkendecke. Im ersten Moment scheint er gar nicht mal so spektakulär zu wirken. Erst auf dem Weg zum Campspot nebenan bricht der Himmel auf und schon beginnt der See in einem satten Türkis zu leuchten. Ein unfassbar schöner Kontrast zu den hellen Gräsern um uns herum. Im Hintergrund die kahlen Berge, die mittlerweile sogar etwas violett zu schimmern scheinen.

Blick auf den Lake Tekapo

Im strömenden Regen und umgeben von fast bis auf den Erdboden reichenden Wolken erreichen wir den Mount Cook National Park. Die Sichtweite ist auf wenige hundert Meter beschränkt. Das, was wir sehen können, ist ausschließlich ein winzig kleiner Ausschnitt von dem, was uns wirklich umgibt. Gar nicht weit von unserem Campspot müsste sich Neuseelands größter Berg befinden. Seine Spitze verschwindet wie so oft in der dichten Wolkendecke. Nicht umsonst trägt er den Namen Aoraki, den er ursprünglich von den Maoris erhielt und soviel bedeutet wie der „Wolkenstecher“ oder „der, der die Wolken durchbohrt“.

Bis zum nächsten Morgen schlägt das Wetter komplett um. Unter blauem Himmel erstreckt sich die gigantische Kulisse vor uns. Im Sonnenschein schimmert das Gletschereis in einem herrlichen Blau. Wir haben gelernt, dass genau dieses Merkmal den Unterschied zu herkömmlichen Eis oder Schnee ausmacht. Durch den immensen Druck der vielen Schneelagen entweicht die im Schnee eingelagerte Luft. Eis mit geringem Luftanteil erhält diese blaue Farbe. Immer noch völlig fasziniert von dem Ausblick im Vergleich zum vorangegangenen Tag schlüpfen wir in unsere Trekkingschuhe und machen uns auf zum Hooker Valley. Durch beeindruckendes Bergpanorama samt weißer Gipfelspitzen und über drei Hängebrücken gelangen wir zwei Stunden später an den Gletschersee. Wir blicken auf schwimmende Eisbrocken, die ans Ufer angeschwemmt werden. Niemals zuvor waren wir einem Gletscher so nahe. Wenn man bedenkt, dass dieses Gletschereis vor unserer Nase bis zu 500 Jahre alt sein kann, für uns einfach unbegreiflich. Im Prinzip sind wir soeben Zeitzeugen dahinschmelzender Geschichte. Hier sitzen wir noch eine Weile bis wir uns wieder auf den Rückweg machen.

Hooker Valley Track Mount Cook NP

Sobald es dunkel wird, schmücken unvorstellbar viele Sterne den tiefschwarzen Himmel. Es scheinen Millionen mehr als sonst zu sein. Die Milchstraße hebt sich deutlich hervor. Nicht ganz verwunderlich, schließlich befinden wir uns in einem sogenannten Dark Sky Reserve, einem Gebiet fernab von Lichteinflüssen wie Ortschaften oder Städten, deren Belichtung die Sicht auf den Sternenhimmel beeinträchtigen würde. Also dort, wo die Nacht wirklich tiefschwarz ist. Die Mütze bis über die Ohren gezogen und eingekuschelt in die beiden Decken schauen wir durch die offene Schiebetür unseres Vans hinauf in den funkelnden Sternenpark. Wir genießen diesen Moment in völliger Stille und vergessen dabei wie kalt es doch gerade eigentlich ist.

Mount Cook National Park

Der Tasman Gletscher ist nur wenige Kilometer von uns entfernt. Dort blicken wir auf den größten aller sieben Gletscher auf Neuseelands Südinsel. Beinahe fassungslos, was uns hier mehr als deutlich aufgezeigt wird: Die dramatischen Konsequenzen der globalen Erderwärmung! Wir wollen nicht so tun, als hätten wir davon nie zuvor etwas gehört, aber mit eigenen Augen zu sehen, wie sehr der Klimawandel hier seine Spuren hinterlässt, ist für uns unfassbar. Seit den 90er Jahren hätte der Tasman Gletscher durchschnittlich 180m pro Jahr verloren. Vor rund 30 Jahren befand sich hier noch eine Anzahl von mehreren kleinen Schmelzwasserseen. Heute misst der See über 7km in der Länge und 245m in der Tiefe – und er wird Tag für Tag größer und größer, aufgrund der zunehmenden Gletscherschmelze. Wie versteinert nehmen wir auf einem dieser vielen Felsbrocken Platz, unsere Blicke starr auf die Gletscherspalte gerichtet, während wir ernsthaft über unser eigenes Umweltbewusstsein nachdenken.

Blick auf den Tasman Gletscher


Ostern am anderen Ende der Welt

Wo könnte man seinen Karfreitag wohl besser verbringen als auf einer Lachsfarm mitten im Nirgendwo? Genau das finden wir auch und steuern geradewegs auf die High Country Salmon Farm, 3km südlich von Twizel, im Eiltempo zu. Schon als wir das Schild weit im Voraus erahnen, läuft uns bereits das Wasser im Mund zusammen. Wenige Sekunden später finden wir uns vor der großen Kühltruhe mit mächtigen Filetstücken sabbernd wieder. Rohes Filet, kalt oder warm geräuchert? Wir greifen rein und entscheiden uns im Moment für das 300g Hot Smoked Salmon Filet und ein Fresh Salmon Sushi. Die perfekte Ergänzung zum verbliebenden Pasta-Pesto-Ruccola Salat von gestern. Vollbepackt geht´s ab auf den Steg inmitten der vielen Fischteiche, der einige Tische und Stühle in der Sonne bereithält. Während wir unsere Leckereien restlos verschlingen, beobachten wir wie das Fischfutter eimerweise ins Wasser gekippt wird und die hungrigen Lachse im Bruchteil einer Sekunde an die Wasseroberfläche schießen.

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Über die Feiertage treffen wir auf besonders viele Einheimische, die ihr verlängertes Wochenende am liebsten in ihrem schicken Trailer verbringen. Unser Harry sieht neben ihrem aufgefahrenen Geschütz völlig verloren aus. Auf dem Grill brutzelt tonnenweise Fleisch, während die Kleinen sich auf Eiersuche begeben. Egal wo man sie antrifft, auf eines sind die Neuseeländer ganz besonders stolz: Ihre Südinsel. Kein Wunder, dass lediglich 2% der Bevölkerung für Urlaub tatsächlich ihr Land verlässt…

Auf einem überschaulichen Bauernmarkt in Oamaru decken wir uns mit reichlich Proviant für die nächsten Tage ein. Während Gemüse, Obst und Fleisch in den Supermärkten übertrieben teuer angeboten werden, bekommen wir hier all das zu ungewöhnlich fairen Preisen förmlich hinterher geworfen. Wir treffen hier sogar auf einen Deutschen, der fantastisches Roggenbrot anbietet. Ja, die Sache mit dem Brot im Ausland. Wer kennt’s nicht? Ein Stückchen Heimat. Mit vollbepackten Taschen nehmen wir Platz auf der voll besetzten Sonnenterrasse der Brauerei nebenan.

Oamaru wäre jedoch nicht Oamaru, wenn es nicht auch all die hübschen Läden in der Harbour Street geben würde. Neben zuckersüßen Cafés und außergewöhnlichen Läden im Steampunk Style treffen wir auf ihn: The Adventure Books. Für mich ist es Liebe auf den ersten Blick. Schon direkt am Eingang begrüßt uns ein Segelboot aus alten Zeiten. Ich blicke auf eine großartige Sammlung an Wissen über Expeditionen in die Antarktis. Daniel gibt sich größte Mühe, mich hier heraus zu zerren. Keine Chance. Ich werde diesen Ort nicht verlassen, solange ich nicht jedes einzelne Regal durchstöbert habe. Nie zuvor hatte ich eine derartige Sammlung gesehen. Vorbei an den größten Abenteuerlegenden und Weltentdeckern in der Geschichte. Große Namen wie James Cook, Sir Edmund Hillary oder Reinhold Messner. Ob Savanne, Himalaya oder die Weite des Meeres. Schätze aus jedem Blickwinkel der Welt. Erst Stunden später und mit einem Buch unter dem Arm kann ich mich von diesem Laden losreißen.


Wildlife der Superlative in Otago und Southland

Noch vor Einbruch der Dämmerung stellen wir Harry auf dem Parkplatz des Katiki Point ab und folgen dem Pfad vorbei am Leuchtturm. Unterwegs haben wir den Tipp bekommen, dass man hier Pinguine beobachten könnte, die abends das Land aufsuchen. An den steilen Klippenwänden schlagen die hohen Wellen mit massiver Wucht an und veranlassen ein lautes Krachen unter uns. Zu unserer Überraschung dauert es tatsächlich nicht lange, bis plötzlich ein Gelbaugenpinguin vor uns steht. Einer der letzten seiner Art. Er wird als einer der seltensten Pinguinarten weltweit eingestuft. Nur wenige Meter von uns entfernt. Was ein irrer Moment.

Yellow-Eyed Penguin am Katiki Point

In kleinen Schritten gehen wir weiter Richtung Zipfel und begegnen sogar Seelöwen. Riesige Kolosse, die es sich hier auf den grasbewachsenen Klippen gemütlich gemacht haben. Dem Wildlife so nahe zu sein (natürlich mit dem geforderten Mindestabstand von 10m) ist für uns einer der schönsten Momente, an den wir uns besonders gerne zurück erinnern. Nachdem die Sonne hinter den schweren Regenwolken verschwindet, machen wir uns auf den Rückweg.

Dunedin hat vor allem eins. Einen Namen, dessen korrekte Aussprache alles andere als eindeutig für uns ist. Jeder, den wir trafen, sprach Dunedin anders aus. Wir hatten sogar das Gefühl, dass sich selbst die Moderatoren im Radio nicht einig darüber waren, ob Dandin, Djundin oder Dniedn korrekt sei. Im Vergleich zu dem bisher noch nicht vollständig geklärtem Naturphänomen der Moeraki Boulders können wir heute mit Sicherheit behaupten, dass die letztgenannte Lautsprache die einzig korrekte ist.

Blick in die Sandfly Bay auf der Otago Peninsula

Die Weiterfahrt erstreckt sich im ersten Abschnitt über die Scenic Route entlang der Küste und später über den Highway, der uns in die grüne Weidelandschaft und die dichtbewucherten Wälder der Catlins führt. Ab und an bietet sich ein Stopp an, um die versteckten Wasserfälle auszuspähen. Oder auch die kleinsten und gleichzeitig die seltensten Meeresdelfine der Welt mit ein bisschen Glück zu sichten, z.B. in der Curio Bay, in der sie sich scheinbar ganz gerne herumtreiben. Auch wir werden für unsere Geduld belohnt. Wir sind völlig außer uns vor Freude, als sich Hectordelfine am frühen Nachmittag direkt vor uns spielend im Wasser zeigen.

Am Slope Point haben wir nun endgültig das Gefühl am Ende der Welt angekommen zu sein. Der antarktische Wind peitscht uns durch das Gesicht. Erstmals sind wir dem Südpol näher als je zuvor. Dort hinten erstreckt sich also die dauerhafte Eislandschaft. Und während wir in die Ferne blicken, sehen wir schon von weitem die dunklen Wolken aufziehen, die geradewegs auf uns zukommen. Ohne lange zu überlegen machen wir uns schleunigst auf den Rückweg, schaffen es jedoch nicht rechtzeitig, sodass wir klatschnass am Auto ankommen. Im nächstgelegenen Pub wärmen wir uns bei einem Pitcher Bier am Kamin auf und verbringen den Abend in Gesellschaft mit einigen Farmern aus der Gegend.

Slope Point

Noch bevor wir die üppige Regenwald-Landschaft des Fiordland National Parks erreichen, verbringen wir einige Nächte am menschenleeren Monkey Island Beach. Nein, Affen haben wir hier weder erwartet noch gesehen. Dafür jedoch jede Menge Edelsteine im Sand. Am benachbarten Gemstone Beach hätten wir stundenlang entlang spazieren können, um die schönsten der unzählig vielen Roh-Juwelen aufzusammeln.


Wunderwelt Fiordland

Auf diesen Part waren wir ganz besonders gespannt. Die ersten Nächte verbringen wir einmal am Lake Monowai, das ander mal am Lake Manapouri im Herzen des Fiordland National Parks. Das fast schon düstere Panorama aus dichten Wäldern und tief hängenden Nebelschwaden macht diesen Ort so mystisch wie kein anderer. Leider ist nur ein winzig kleiner Teil dieser beeindruckenden Landschaft – und wenn dann über eine rauhe Schotterpiste – befahrbar.

Fjordland National Park

Die nächst größere Stadt Te Anau nutzen wir lediglich für einen kurzen Zwischenstopp, um unsere Bestände an Lebensmitteln, Frischwasser und Gaspatronen wieder aufzufüllen…doch was ist denn jetzt los?! Plötzlich will er nicht mehr, Harry!!! Kein Zappen. Nur ein eigenartiges Klackern schallt unter der Motorhaube hervor. Lichtmaschine? Anlasser? Doch nicht etwa ein Vorbote des anstehenden Freitags, der 13te? Einerseits sind wir besorgt, was die Reparaturkosten angeht. Andererseits mehr als froh, dass uns das gerade hier passiert. Etwa 5 Minuten von der nächsten Werkstatt entfernt. Glück im Unglück. Und wir können wirklich von Glück sprechen, denn nach einer erfolgreichen Wiederbelebung durch eine externe Batterie schnurrt unser Harry wieder wie zuvor. Bei einer alten Batterie kann das bekanntlich schonmal vorkommen. Auch wenn man das Licht nur für fünf Minuten brennen lässt. Also kein Grund zur Panik.

Milford Sound liegt etwa 1,5 Autostunden von Te Anau entfernt. Eine 118km lange One-Way-Route, die uns durch einzigartiges Panorama, geprägt von steppenartigen Graslandschaften bis zu Steilhängen, von denen unzählig viele Wasserfälle in schwindelerregender Höhe herunter schellen, führt. Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir unser Ziel und genießen die letzten Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg vorbei an den verbliebenden Wolken suchen und den Mitre Peak im Zwielicht perfekt in Szene setzen.

Mitre Peak im Sonnenuntergang

Der nächste Morgen ist eisig, dafür zeigt sich kein Wölkchen am Himmel. Perfekte Rahmenbedingungen für unseren anstehenden Milford Cruise. Wir sind lediglich etwa 10 Leute auf einem kleinen Dampfer und blicken auf die steil abfallenden Klippen, die den Milford Sound bilden. Bis zu 400m tief würden sie weiter ins Wasser ragen. Auf der Kreuzung zur offenen See treffen wir auf einen jagenden Königsalbatross, auf dem Rückweg auf eine Horde Delfine. Sie lieben es sich direkt am Bug des Bootes mittreiben zu lassen und gewähren uns somit extrem nahe Begegnungen, als wir uns ein wenig über die Reling beugen.

Delfine im Milford Sound


Welcome to another Paradise

Nord-westlich von Queenstown landen wir tatsächlich im Paradise, denn genau so heißt diese Gegend. Anders ist dieses Panorama auch nicht zu beschreiben. Hier könnten wir direkt ins Movie-Set einsteigen und Frodo und seine Gefährten auf dem Weg zum Schicksalsberg begleiten. Kein Wunder, dass dieser Ort als Schauplatz für Peter Jacksons Herr der Ringe gedient hat. Ganz davon abgesehen scheint jede Ecke in diesem Land ein Teil der Trilogie zu sein.

Mount Aspiring National Park

Die Fahrt von Glenorchy zurück nach Queenstown entlang zählt zu einer unserer Favoriten. Kurve um Kurve schlängelt sich die Straße mit grandiosen Ausblicken auf den Lake Wakatipu und die dahinterliegenden Remarkables am Hang entlang. Nach dem kurzen Abstecher im legendären Fergburger führt unsere Route weiter über Arrowtown, welches uns in den schönsten Herbstfarben herzlich empfängt. Entlang der Schlucht des Karawea River gelangen wir ins hübsch gelegene Wanaka und in den Mount Aspiring National Park. Hier wird Harry ordentlich gefordert, denn es liegen 7 Flussdurchquerungen auf unserem Weg. Wir stoppen an einem kleinen See, der ein perfekt inszeniertes Spiegelbild der ihn umgebenden Gebirgskette bietet, dann bei den Rainbow Falls. Endstation. Weiter kommen wir heute nicht. Denn die letzte Durchfahrt ist tiefer als wir es unserem Van zumuten wollen.

Rainbow Falls Mount Aspiring National Park


Westcoast – Neuseelands Great Ocean Road

Vorbei an den schneebedeckten Gipfeln gelangen wir über den relativ tiefgelegenen Haast Pass in die feuchte und immergrüne Küstenregion im Westen. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, denn von den sonst so unberechenbaren Regenfällen bekommen wir rein gar nichts mit. Und gerade passiert es schon wieder, dass uns die einzigartige Vielfalt Neuseelands ins Staunen versetzt. Kaum zu fassen, aber hier inmitten des Regenwald Terrains finden wir doch tatsächlich die Ausläufer der Fox- und Franz-Josef-Gletscher vor. Nach zwei Fußmärschen durch die einstigen mit hunderten von Metern Gletschereis bedeckten Täler gelangen wir zu den jeweiligen Gletscherzungen aus unmittelbarer Nähe. Auch hier wird uns vor Augen geführt: Diese Aussichtspunkte unterliegen einem stetigen Wandel. Sie waren noch vor einigen Jahren deutlich weiter entfernt vom Gletscherursprung. Ein letztes Bild der gewaltigen Gebirgskette schießen wir am Lake Matheson. Am windstillen Morgen bietet er den annähernd perfekten Spiegel mit einer Atmosphäre, die mystischer kaum sein könnte.

Blick auf den Franz-Josef Gletscher

Allmählich verlassen wir die neuseeländischen Alpen, während die weite Strecke in den Norden entlang einerseits teils flacher Küste teils schroffer Steilklippen und andererseits dichtem neuseeländischen Dschungel, verläuft. Der Highway schlängelt sich vorbei an bizarren Felsformationen wie den Pancake Rocks und ehemaligen Goldgräberstätten. Besonders der Abschnitt zwischen Greymouth und Charleston zählt zu unseren absoluten Lieblings-Küstenstraßen. Ein reinster Augenschmaus!

Über die Campermate-App, mit der wir durch Neuseeland navigieren, sind wir auf Gentle Annie oberhalb von Westport gestoßen. Ein wunderschön gelegener Platz direkt am Wasser, an dem wir am Abend sogar den Holzofen nutzen können, um selbst gemachte Pizza knusprig zu backen und den Tag bei einem der schönsten Sonnenuntergänge ausklingen lassen zu können. Unsere Endstation an der Westküste ist Karamea und der östlich gelegene Oparara Arch, mitten im Dschungel, der nur über eine schmale, kurvige, Berg- und Talstraße zu erreichen ist. Die Fahrt dorthin ist schon aufregend genug, der kurze Spaziergang vom Parkplatz zum riesigen Kalksteinbogen dagegen ein Katzensprung. Diese unberührte Natur hier im Norden überzeugt uns im vollen Maße, sodass wir gleich noch einen Tag länger bleiben.

Oparara Arch bei Karamea


Letzter Stopp auf der Südinsel: Marlborough Sounds

Nach einem kurzen Abstecher am Lake Rotoiti, in dem sich zu unserer Überraschung unzählig viele und übergroße Aale am Steg tummeln, verschlägt es uns in die Richtung Picton, von wo aus wir in drei Tagen auf die Nordinsel übersetzen werden. Für die letzten Nächte auf der Südinsel haben wir uns einen ganz besonderen Campspot ausgesucht. Eine abgelegene Bucht inmitten der Marlborough Sounds. Eine teils sehr schmale Schotterstraße schlängelt sich zwischen Wasser und den Bergen Kurve für Kurve an den nördlichsten Punkt. Den Tag lassen wir auf einem Felsvorsprung ausklingen, während zwei Rochen unter uns durch die Bucht gleiten. Um uns herum ragen die begrünten Hügel empor. Nur wir zwei.

Genau so haben wir uns unseren Roadtrip durch Neuseeland vorgestellt.

Blick auf die Marlborough Sounds


12 von 10 Punkten

Tage wie diese – voller Glücksgefühle, Genussmomente, Fassungslosigkeit. Landschaftlich gesehen, bekommt dieses Land von uns 12 von 10 Punkten. Es übertrifft quasi jegliche Vorstellungen. Hinter jeder Kurve lauert die nächste Überraschung, die uns mal wieder komplett die Sprache verschlägt. Wer bereits dort war, weiß genau, was wir meinen.

Besonders geflasht sind wir von den vielen Begegnungen mit wilden Tieren, die man sonst nur aus dem Zoo oder im Rahmen einer geführten Tour geboten bekommt. Hier begegnen wir ihnen in freier Wildbahn – plötzlich und meist gänzlich unerwartet. Eine Gruppe (Hector)Delfine, wie sie spielend miteinander im Wasser herumtoben. Pinguine, die in der Abenddämmerung das Land aufsuchen. Rochen, die sich elegant im kristallklaren Wasser voran bewegen. Kolonien von Seelöwen beim Sonnenbaden. Und diese Wekas, die wir auf den ersten Blick für einen Kiwi gehalten haben. Ups. Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

Und wenn wir schon bei den Vogelarten angekommen sind. Sei es der neugierige Fantail, die frechen Keas oder der Tui, der außergewöhnliche fast schon eigenartige Töne von sich gibt. Ja wir begegnen sogar dem Königsalbatross mit einer Spannweite von bis zu 3m, der über uns majestätisch in der Luft gleitet. Selten waren wir der Natur so verbunden wie in den vergangenen 6 Wochen.

Robbe auf der Otago Peninsula

Wir genießen Momente in völliger Stille.

Kennst du das, wenn es plötzlich ganz still um dich herum wird? Sei ehrlich, wie oft kommen solche Momente in unserem vollgestopften Tag schon vor, wenn man sich nicht bewusst dafür Zeit nimmt – und wann machen wir das schon?

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. desolat sagt:

    Ich vergebe auch 12 von 10 Punkten – für diesen wirklich tollen Blogpost!!! Das sind so fantastische Fotos und dem Text merkt man an, dass sich jemand wirklich Mühe gegeben und daran geschliffen hat (glaube ich)! Ich habe ja Neuseeland schon lange auf meiner Reiseliste für die Zukunft, aber nach Eurem Beitrag ist das Land noch mal ein paar Plätze nach oben gerutscht. Jetzt bin ich mal auf die Nordinsel gespannt! 🙂

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    1. herzsafari sagt:

      Wow, das freut uns zu hören. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Es ist wahrlich nicht ganz einfach, dieses Landschaftsbild in Worte zu fassen. Neuseeland hat uns regelrecht umgehauen. Wir können es nur wärmstens empfehlen, dieses Abenteuer selbst zu erleben. Viel Spaß beim nächsten Artikel 😉

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