Bangkok – das Wohlfühlchaos

Es ist heiß. Genauer genommen verdammt heiß und unerträglich schwül zugleich. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit liegen gefühlte 55 Grad in der Luft. Wir bewegen uns nur langsam voran. Die Temperaturdifferenz der eisigen Luft in Deutschland und den mindestens genauso kühlen Temperaturen während des 10-stündigen Fluges zu dem Kontrastprogramm von drückender Hitze hier in Bangkok macht uns doch sehr zu schaffen. Gepaart mit dem Jetlag, der uns in den ersten Tagen noch in den Knochen liegt und schlaflose Nächte bereitet, wird das Chaos perfekt.

Die Ticketschalter für den öffentlichen Verkehr sind selbsterklärend. Der Preis für den klimatisierten Zug vom Flughafen ins Zentrum liegt umgerechnet bei gerade mal 2 – 2,50 € pro Person. Unschlagbar! Und es ist die beste Option schnell voran zu kommen. Das verrät uns der Blick aus dem Fenster. Bei den vielen Bremslichtern stadteinwärts sind wir mega froh, dass wir uns nicht durch diesen höllischen Verkehr schlagen müssen. Dafür dass der Zug sich allmählich füllt, ist es mucksmäuschenstill. Ein Teil unserer Sitznachbarn holt anscheinend wertvolle Stunden Schlaf von letzter Nacht nach, der andere Teil starrt aufs Handy. Ein paar Mädels greifen in die Kosmetiktasche auf dem Schoß und nutzen die Fahrtzeit für ein professionelles Make Up. Sehr bemerkenswert! In den einzelnen Stationen geht es auffällig gemächlich zu. Hier herrscht ein streng geordnetes System, in dem man sich für die Bahn in Reih und Glied anstellt. Selbst Bodenmarkierungen sind dafür vorgesehen. Kein Drücken, kein Drängeln.

Unser Hotel liegt in einer Nebenstraße unweit des Chao Phraya Flusses auf der westlichen Seite. Hier werden wir herzlich begrüßt, müssen jedoch noch einige Stunden auf unser Zimmer warten, da es erst neun Uhr in der Früh ist. Derweil machen wir es uns in der geschmackvoll eingerichteten Lounge gemütlich. Wir sind zwar kein Fan von Klimaanlagen, aber in diesem Fall ist sie unser Retter in der Not. Wir drehen sie auf Anschlag hoch und richten die kalt austretende Luft direkt auf uns. Anders ist diese stehende Hitze wirklich nicht auszuhalten. Als sich schließlich unsere Mägen unüberhörbar zu Wort melden, quälen wir uns nach einem kurzen, jedoch sehr effektiven Power Nap aus den Sofas und begeben uns auf die Straße, um nach etwas Essbarem Ausschau zu halten. Überall strahlen uns die freundlichen Thais an. Am ersten Street Food Stand gönnen wir uns ein paar gebackene Bananen (zusammen für 20 Baht -> ca. 0,50 €) als Frühstück. Die Dame erzählt etwas auf thailändisch und zeigt dabei auffällig auf einen Kranz kleiner frischer Babybananen. Sie kann kein Englisch. Lediglich mit einem „For You“, welches sie über die Lippen bringt, gibt sie uns zu verstehen, dass sie uns diese dazu schenken möchte. Wir bedanken uns mit aufeinander liegenden Handflächen vor dem Gesicht und einer Verbeugung für die wunderbare Willkommensgeste. Besser hätte unser Aufenthalt in Bangkok wohl nicht starten können. Genauso freundlich blieb uns Thailand auch seit dem ersten Besuch vor knapp 11 Monaten in Erinnerung. Der Mix aus guter Infrastruktur und thailändischer Freundlichkeit macht es zu einem unserer bisher besuchten Lieblingsländer. Auf Bangkok waren wir ganz besonders gespannt. Grob gesagt gibt es eigentlich nur zwei konkrete Meinungen zu dieser Weltmetropole. Entweder du liebst das Chaos oder du hasst es. Wir wollten unbedingt heraus finden, zu welcher Sparte wir uns zählen dürfen. Und deswegen sind wir hier.


Bitte festhalten, es könnte rasant werden

Die Pupillen weiten sich, das Adrenalin schießt uns durch den Körper. Dass es turbulent werden würde, hatten wir geahnt. Aber muss man nicht eben DAS einmal im Leben mitgemacht haben? Definitiv wie wir finden. Nein, wir haben uns weder Lachgas noch Magic-Mushrooms in dunklen Ecken andrehen lassen. Wir befinden uns gerade auf der Rückbank eines bunt leuchtenden TukTuks mit laut aufgedrehter Mukke auf der Spur, die eigentlich dem Gegenverkehr dient und bangen um unser Leben. Ist ja nicht so, dass unsere Straßenseite genügend Spuren hätte, aber anscheinend sind wir auf der viereinhalbten Spur ganze 10 Sekunden schneller am Ziel. Zum Glück kommen wir gerade aus der Rambuttri Road, die kleine Schwester der Khao San Road, und haben uns in einer der vielen Bars das thailändische Bier schmecken lassen. Beste Voraussetzung für diesen waghalsigen Ritt.

Thailand - Blick von der Sitzbank eines TukTuks in Bangkok
TukTuk Fahrt in Bangkok

Beim Bezahlen gibt uns der TukTuk Fahrer mit den Worten „No Change“ zu verstehen, dass er kein Wechselgeld zum Herausgeben hätte. Wahrscheinlich eine gut einstudierte Masche. Da es sich lediglich um ein paar Centbeträge handelt, nehmen wir es gelassen. Obwohl wir einen besseren Preis im Vorab ausgehandelt hatten, drückt ihm Daniel die Scheine in die Hand und verzichtet wohl oder übel auf das Rückgeld. Im nächsten Moment ist er wieder auf und davon. Unversehrt im Hotel angekommen fallen wir bereits um acht Uhr völlig erledigt ins Bett. Draußen ist es noch immer schwüle 30 Grad. 


Brutal ge-jetlagged ins königliche Viertel

Pünktlich gegen vier Uhr liegen wir hellwach im Bett. In den Gassen, auf die wir vom großen Balkonfenster blicken können, ist bereits jede Menge los. Die early birds nutzen wahrscheinlich das angenehme Klima in den frühen Morgenstunden, um ihre Besorgungen für den Tag zu machen. Wir versuchen wieder einzuschlafen, was uns jedoch nicht gelingt. Zur frühstmöglichen Frühstückszeit sitzen wir unten in der Lounge und warten gespannt auf unser local breakfast. Reis und eine Fischsuppe. Oh yeah. Insgeheim sehnen wir uns in diesem Moment eher nach einem deftigen Rührei mit Zwiebeln und kross gebratenem Bacon. A gscheide Brotzeit halt nach einem anstrengenden ersten Tag. Es wäre jedoch gelogen, wenn wir behaupten, dass die Suppe nicht lecker war. Zu unserer Überraschung hat sie es doch tatsächlich geschafft, unseren Bärenhunger zu stillen. 

Am Straßenrand schlägt der Presslufthammer mit minimum 160 bpm auf den Boden. Der Geräuschpegel liegt deutlich oberhalb der Schmerzgrenze für das menschliche Ohr. Über dem niemals abreißenden Verkehr sammelt sich eine dicke Wolke an Abgasen, die zusammen mit der stehenden Hitze auf dem heißen Asphalt die Stadt in einen Hexenkessel verwandelt. Um zum Königspalast zu gelangen, steigen wir ins nächste Expressboat und schippern über den Chao Phraya. Die Aussicht vom Wasser aus gefällt uns besonders gut. Vorbei an den typischen Holzhütten auf Stelzen, die oft als kleine Restaurants am Ufer und Zuhause der Einheimischen dienen. Vorbei an vergoldeten Tempelspitzen des früheren Königsviertels. Der Kontrast zwischen den einfachen Holzhütten im Wasser und den verglasten hochragenden Hotelkomplexen wird hier ganz besonders deutlich.

Thailand, Bangkok - Blick auf die Häuser am Ufer
Blick auf die Häuser am Ufer

Der Wat Phra Kaeo oder auch Palast des Smaragd–Buddhas genannt und der Königspalast verbergen sich hinter hochgezogenen weißen Mauern. Ein absolutes Must–Visit, wenn man in Bangkok ist. Dementsprechend ist auch hier mächtig was los. In der brütenden Mittagssonne quälen wir uns in langer Hose und T–Shirt durch die Menschenmassen. Das weitläufige Imperium scheint endlos. Nicht falsch verstehen. Von den Prachtbauten sind wir schwer beeindruckt. Doch die Kombi aus tropischer Hitze und dem wilden Durcheinander schubsender Menschen schlägt dermaßen auf‘s Gemüt. Raus hier.

Thailand - Blick auf die Mauern des Königspalastes
Blick auf die Mauern des Königspalastes in Bangkok

Ein paar hundert Meter weiter, ziemlich genau gegenüber des Wat Pho, der Tempel mit dem liegenden Buddha, treffen wir auf eine lächelnde Dame (wie immer) an der Straße, die uns Pad Thai anbietet. Mit ihrem kleinen englischen Wortschatz erläutert sie uns, was sie da alles in die Pfanne haut. Das typisch thailändische Gericht besteht aus dünnen Reisnudeln, angebraten in Ei, Tofu, getrockneten Schrimps, verfeinert mit Fischsauce, Tamarinde und Chili. Innerhalb einer Minute hält sie uns die Teller entgegen. Die Einheimischen am anderen Tisch schauen neugierig in unsere Richtung und warten gespannt auf unsere Reaktion nach dem ersten Pad Thai – Bissen. Von uns gibt’s zwei Daumen hoch. Alle sind happy. Richtig lecker!

Thailand - Connys erstes Pad Thai in Bangkok
Connys erstes Pad Thai in Bangkok

Spätestens nach dem frischgemixten Mango–Banane–Kokosnuss–Smoothie sind die Energiespeicher wieder aufgeladen und unsere Stimmung gleich viel besser. Und wenn wir schon beim Essen sind. Wir befinden uns mitten im kulinarischen Schlaraffenland. Thai Food teilt sich mit der vietnamesischen Küche unsere Nr. 1. Da gibt’s keine Zweifel. Hier treffen feurige Thai Currys auf gebratenes Gemüse wahlweise mit Fleisch oder Fisch, köstliche Suppen auf Papaya Salate, Saures auf Süßes. Und diese Früchte! Hier gibt es einfach alles, was das Foodie – Herz begehrt. Wir futtern uns einmal quer durch bis wir kurz vorm Platzen sind. Eigentlich jedesmal. Sei es die Garküche an der Straße oder das Pier 21 im klimatisierten Ambiente (unser Favorit schlechthin), die Rechnung für uns beide überschreitet niemals 10 €. 

Thailand - Street Food Stand in Bangkok
Street Food in Bangkok

Sobald die Sonne untergegangen ist, verwandelt sich Bangkoks Skyline in ein Glitzermeer. An der geschäftigen Sukhumvit Road werden Viagra, Spielzeuge für die Großen und ähnliche Dinge freiverkäuflich an den „Mann“ gebracht. Rooftop-Bars öffnen ihre Pforten, in den ruhigen Seitengassen reiht sich Garküche an Garküche und die TukTuk-Fahrer machen sich für die nächste Nacht startklar. Nicht, dass der Trubel auf den Straßen bei Einbruch der Dunkelheit geringer wird, bei abgekühltem Klima ist er jedoch deutlich besser auszuhalten.

Zur Krönung des Tages lassen wir uns bei einer kräftigen Massage alle Strapazen der letzten Wochen herausklopfen.

Unser Fazit:

1. Bangkok eignet sich perfekt für den Start ins Abenteuer.

2. Die eiskalte Dusche am Abend ist einfach unbezahlbar.

3. Wir waren nicht das letzte Mal hier.

Ganz ehrlich, für Bangkok finden wir keine konkrete Definition. Man kann diese Stadt einfach nicht beschreiben, man muss sie erleben. Während unserer 4 Nächte haben wir ausschließlich einen winzigen Bruchteil von dieser Weltmetropole gesehen. Aber eines können wir bereits ganz gewiss behaupten: von uns ein ganz klares JA! Wir lieben dieses Chaos!

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